Unterwegs in der Stadt des tanzenden Karpfen
Titel: Carp City
Autor: Aleksandra Mizielińska, Daniel Mizieliński
Illustration: Aleksandra Mizielińska, Daniel Mizieliński
Verlag:
Wydawnictwo Dwie Siostry (Original), Moritz Verlag (deutsche Version)
Erscheinungsjahr: 2024
Spieleranzahl: ab 1
Spieldauer: individuellinuten
Altersempfehlung: ab 8 Jahren
Mechaniken: kooperativ, deduktion
Komplexität: sehr gering
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Mich hat in den letzten Wochen das Stickerfieber gepackt und ich habe mit sehr viel Freude die Stadt des tanzenden Karpfen erkundet. In dem knallbonbonbunten Wimmelbildbuch „Carp City“ verstecken sich zahlreiche niedliche Geschichten, die sich nach und nach offenbaren – und damit auch stundenlanger und ziemlich außergewöhnlicher Spielspaß.

Bei Carp City handelt es sich um eine Mischung aus Spiel- und Wimmelbildbuch. Vergleichbares habe ich tatsächlich noch nicht gesehen und dementsprechend war ich ziemlich neugierig, als ich die ersten euphorischen Spielberichte las. Spiel? Ja, Carp City ist ein Spiel, wenn auch eines mit supereinfachen Regeln: Grundsätzlich besteht es aus einem großformatigen Bilderbuch und einem kleineren Stadtführer. Das große Buch zeigt eine bunte, liebevoll gezeichnete Stadt. Jede Doppelseite enthält zahlreiche Szenen, die mit Nummern gekennzeichnet sind. Die Nummern verweisen auf Einträge in dem beiliegenden Stadtführer. Dort können wir immer nachlesen, was es mit der Szene auf sich hat und bekommen dann meistens weitere (Such-)Aufgaben, die sich auf andere Stadtbereiche beziehen. Manchmal bekommen wir auch Stichwörter, die wir in einer Liste abhaken oder wir finden Gegenstände, die wir in unseren Rucksack legen dürfen. Sowohl die Stichworte als auch die Gegenstände werden dann in anderen Szenen relevant und so arbeiten wir uns Miniquest für Miniquest durch die quietschbunte Zauberstadt.
Ein Beispiel: Vor der Stadt steht ein Mann, der Äpfel geerntet hat. Lesen wir seinen Eintrag im Reiseführer, erfahren wir, dass er zu viele Äpfel hat und er schenkt uns einige. Diese Äpfel legen wir erst einmal in unseren Rucksack. Später im Spiel lesen wir bei einer Szene, das genau diese Äpfel benötigt werden. Dementsprechend streichen wir sie im Rucksack wieder durch und bekommen zur Belohnung einen Sticker, den wir über die Szene kleben. Die Sticker sind auch das, was Carp City zu einem besonderen Wimmelbuch macht: Fast immer wenn wir eine Aufgabe lösen, dürfen wir einen oder mehrere Sticker von den sieben beiliegenden Bögen heraussuchen und auf die Szene kleben. Dadurch verändert sich das Buch, während wir spielen – und das macht unerhört viel Spaß. Dazu kommt, dass die Sticker von herausragend guter Qualität sind: Sie passen wirklich perfekt und lassen sich auch neu positionieren, wenn sie einmal nicht exakt so sitzen, wie sie sollen.

Dadurch, dass wir das Buch dauerhaft verändern, lässt sich das Spiel natürlich auch nur einmal spielen. Sobald wir alle Quests gelöst haben, ist das Spiel tatsächlich auserzählt. Das war bei mir nach ca. 26 Stunden der Fall. Allerdings bleibt es ein schönes Wimmelbuch. Die Autoren Aleksandra und Daniel Mizieliński haben bereits zahlreiche Kinderbücher veröffentlicht und das merkt man Carp City an. Alle Doppelseiten sind liebevoll gestaltet und obwohl ich gar nicht mehr zählen kann, wie oft ich das Buch durchgeblättert habe, entdecke ich noch immer neue Details.
Auch mit Kindern lässt sich Carp City prima erkunden. Meine Tochter (8) hat sehr gerne mitgesucht und gerätselt.
Ein bisschen schade fand ich nur, dass wir nicht für alle gelösten Geschichten einen Sticker kleben dürfen, sondern die Auflösung manchmal nur über einen Text im Stadtführer erfolgt. Bei diesen Aufgaben bleiben auch die Zahlen weiterhin sichtbar. Das ist etwas unglücklich, weil es bei der Masse an Geschichten und Aufgaben unmöglich ist, sich alles zu merken und man später doch wieder über die Aufgaben stolpert. Allerdings hat das ganz praktische Gründe: Da Carp City eine absolute Neuheit ist, haben die Autoren vom Verlag nur sieben Stickerbögen zugebilligt bekommen – es war also schlicht nicht genug Platz. Dies soll sich bei Teil zwei ändern und es soll wirklich für jede abgeschlossene Mission ein Sticker geklebt werden können. Teil zwei (Arbeitstitel „The Keep of the Armored Hedgehog“) ist bereits angekündigt und steht bei mir ganz oben auf der Wunschliste.
Was bei zwei Teil auch verbessert werden soll, ist der Einstieg. Bei Carp City ist es nämlich so, dass man sich am Anfang schnell verlieren kann in der bunten Wuselei. Jede Doppelseite ist dermaßen voll mit Details und Aufgaben, dass man gerade zu Beginn erst einmal jede Menge Stichworte und Gegenstände bekommt, die man erst viel später benötigt. Daher ein Tipp für den Einstieg: Nicht auf der ersten Seite starten, sondern gezielt erst einmal nach grün hinterlegten Questnummern Ausschau halten. Diese sind nämlich explizite Einstiegsaufgaben und lassen sich immer auf der Doppelseite lösen, auf der sie sich befinden. Andererseits macht es natürlich auch Spaß, sich in dieser farbenfrohen Welt zu verlieren. Ich habe mich tatsächlich hervorragend unterhalten gefühlt und habe jede Minute in der Stadt des tanzenden Karpfen genossen.
✔ Stärken:
✅einfacher Einstieg
✅kinderfreundlich
✅liebevolle Gestaltung
❌ Schwächen:
⛔kein Wiederspielwert

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