Ein echter Feinschmecker, oder doch nur Stinkekäse?
In Fromage versuchen wir als Käseproduzenten im Frankreich des frühen 20. Jahrhundert unseren Käse möglichst gewinnbringend einzusetzen. Ein bis vier Spielende kämpfen darum in einem recht simplen Worker-Placer der erfolgreichste Käseproduzent zu werden.
Eckdaten zum Spiel
Titel: Fromage
Autoren: Matthew O’Malley & Ben Rosset
Illustration: Pavel Zhovba
Verlag: R2i Games (Original),
asmodee (deutsche Version)
Erscheinungsjahr: 2024
Spieleranzahl: 1-4
Spieldauer: 30-45 Minuten
Altersempfehlung: 14+
Mechaniken: Worker Placement, Area Control
Komplexität: gering

Worker Placement mit dem gewissen „Dreh“
Bei Fromage handelt es sich um ein Worker Placement Spiel in welchem die Spielenden ihre Arbeiter, in unserem Fall Käser, gleichzeitig auf dem Spielbrett einsetzen.
Der Clou ist hier jedoch, dass wir unsere Arbeiter nicht willkürlich auf dem gesamten Spielbrett einsetzen, sondern ausschließlich auf dem zu uns ausgerichteten Quadranten.
Bevor wir uns jedoch in den Mechaniken verlieren, möchte ich kurz das Spielbrett und das eigene Playerboard erläutern.

Jeder Spielende erhält ein individuelles Playerboard. Der Aufbau der Playerboards ist identisch. In 3 verschiedenen Bereichen können wir beispielsweise unsere Käserei ausbauen, um zusätzliche Fähigkeiten zu erhalten, in Melkständen zusätzlichen Käse produzieren oder unseren Käse mit Früchten verfeinern. Der Unterschieid beschränkt sich auf den Playerboards auf den Bereich des Käsereiausbaus. Hier bekommt jeder Spielende andere Möglichkeiten die eigene Käserei auszubauen und somit andere Fähigkeiten.
Das Spielbrett an sich ist dem Thema entsprechend rund gestaltet und in Viertel aufgeteilt.
Jedes viertel bietet eine andere Möglichkeit den eigenen Käse gewinnbringend einzusetzen. Beispielsweise kämpfen wir in einem Quadranten um die Popularität unserer Käsesorten in den verschiedenen Städten oder bieten in einem anderen Quadranten unseren Käse im Bistro zum Verkauf an. Am inneren Rand jedes Quadranten können wir außerdem Ressourcen sammeln, die uns dabei helfen unsere Käserei auszubauen, Käse zu produzieren, oder Aufträge, die es zu erfüllen gilt.

In jeder Runde setzen wir simultan 2 unserer 3 Käser auf dem uns zugewandten Quadranten des Spielbretts ein. Hierbei ist zum einen zu beachten, dass immer nur 1 Käser Ressourcen sammeln und 1 Käser den Käse präsentieren darf. Unsere Käser sind zudem auf die Sorten Hart-, Weich- und Blauschimmelkäse spezialisiert und können somit auch nur diese Sorten anbieten / herstellen. Im Falle des Käsers, der den Käse präsentiert, wird vorher ein Käsemarker aus Holz in die gewählte Aussparung gelegt und anschließend der Käser hierauf gesetzt. Die Holzmarker blockieren nun bis zum Spielende das jeweilige Feld. Über die Käsemarker kommt so eine seichte Area-Control-Mechanik ins Spiel.

Beim Einsätzen der Käser haben wir zusätzlich die Möglichkeit verschieden starke Aktionen zu wählen. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass wir die Käser bei starken Aktionen erst spät zurückbekommen.
Hier kommt nämlich der große Twist des Spiels. Sobald alle Spielenden ihre Käser platziert haben, wird das Spielbrett im Uhrzeigersinn um 90° gedreht (böse Zungen behaupten hier fehlt eine Drehvorrichtung in der Mitte, die das Drehen vereinfacht).
Nun erhalten wir unsere Käser zurück, die uns direkt anschauen. Haben wir zuvor unsere Käser für einfache Aktionen eingesetzt, erhalten wir diese sofort zurück. Haben wir stärkere Aktionen gewählt, schauen uns die Käser erst in 2 oder 3 Runden an. Hierdurch entsteht in diesem doch sehr simplen Worker Placement ein gewisser strategischer Anspruch.
Gewertet wird erst am Ende des Spiels. Wir erzielen die Punkte hauptsächlich dadurch, dass wir unsere Käsesorten möglichst gewinnbringend in der zuvor genannten Area-Control-Mechanik auf den Quadranten platzieren. Zusätzlich können Punkte über die Fähigkeiten des eigenen Playerboards und durch die erfüllten Aufträge erzielt werden.
Für wen ist Fromage etwas & mein Fazit
Auf Boardgamegeek hat das Spiel ein Weight Rating von 2,37 erhalten. Meiner Meinung nach passt dies auch ganz gut. Fromage ist ein Spiel, welches sich irgendwo in dem Bereich zwischen Familienspiel und Kennerspiel einsortiert. Versierte Spielende sollten mit dem Spiel keine Probleme bekommen. Familien, die keine bis kaum Spielerfahrung haben, könnten aber mit den verschiedenen Aktionen und der „Drehmechanik“ überfordert sein.
Dementsprechend würde ich Fromage allen Vielspielenden empfehlen, die ein recht entspanntes, aber doch unerwartet vielseitigen Worker Placer spielen möchten. Aufgrund der kurzen Spielzeit eignet sich das Spiel evtl. auch als Absacker.
Familien mit Spielerfahrung dürfen auch bedenkenlos zugreifen.
Mich persönlich spricht das klassische und unaufgeregte Artwork sehr an. Die Käsethematik und auch, dass das Spiel recht unkompliziert und schnell gespielt werden kann, sind weitere Punkte, die mir sehr gut gefallen. Besonders interessant finde ich die Drehmechanik, und dass wir im Vorfeld planen müssen, ob es sinnvoll ist die starke Aktion zu wählen und dann ggf. mehrere Runden auf einen Arbeiter verzichten zu müssen.
Zwar wir das Spielbrett in einer Partie mit 2 Spielenden angepasst, jedoch entfaltet das Spiel seinen Charme erst in einer Partie zu 3. oder zu 4.
Erst dann werden die Quadranten wirklich voll und der Aspekt des Area Contols kommt wirklich gut zum Vorschein.
Fromage ist keine Offenbarung in der Spielewelt, bietet meiner Meinung nach aber genügend Alleinstellungsmerkmale, um sicherlich sehr häufig auf den Tisch zu kommen.

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