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Fröhliches Würfeln überall

Weihnachten und die Feiertage zwischen den Jahren sind ja oft Tage, an denen wir mehr Freizeit haben als gewöhnlich. Überall geht es etwas ruhiger zu und bei uns Spielfreunden heißt das meist: Richtig viel Zeit für unser Lieblingshobby. Schließlich sind die Regale prall gefüllt und wollen ausgiebig bespielt werden, gerne auch mit der Familie. Bei uns hat dieses Jahr allerdings ein echter Oldie den modernen Spielen die Show gestohlen – Hotel.

Ich persönlich freue mich ja immer, wenn ich meine Familie zum Spielen motiviert bekomme. Bei den Kindern ist das gar nicht mal so schwierig, mein Mann ist allerdings meist ein ziemlicher Spielemuffel und streikt bei vor allem bei komplexeren Regeln sofort. Allerdings gibt es ein paar Klassiker, die er als Kind und Jugendlicher gerne gespielt hat und die dürfen heute auch noch auf den Tisch. Insbesondere mag er Hero Quest und Hotel. Beide Spiele liegen im Keller, sind noch nicht wirklich aussortiert, aber ich war schon kurz oft davor, diese alten Schätzchen zu entsorgen. Gut, dass ich es nicht gemacht habe!
Mein Sohn (11) spielt aktuell nämlich sehr gerne Monopoly. Ja, genau, Monopoly. Das spielt er bei einem Schulfreund, denn ich mag das Spiel überhaupt nicht und wir haben auch kein Exemplar. Dafür haben wir Hotel. Hotel ist eine Art Monopoly-Variante die (meist) deutlich schneller gespielt ist als das Original. Das macht das Spiel immer noch nicht zum Highlight, beseitigt aber meinen größten Kritikpunkt am Original: die ewige Spieldauer.

Ansonsten sind die Regeln aber recht ähnlich: Wir würfeln reihum und bewegen uns mit unseren Spielfiguren über das Spielfeld. Dabei kommen wir an den unterschiedlichen Hotelflächen vorbei. Wer auf ein Kauffeld kommt, darf zunächst das Grundstück des jeweiligen Hotels erwerben. Danach heißt es, möglichst schnell auf ein Baufeld kommen, damit das Grundstück auch bebaut werden darf. Denn solange es nicht bebaut ist, dürfen alle, die auf ein Kauffeld kommen, das Grundstück für die Hälfte des Originalpreises abkaufen. Vor allem zu Beginn des Spiels ist das meist ein ziemliches Chaos und die Grundstücke wechseln oft. Schafft es dann jemand, tatsächlich auf ein Baufeld zu kommen, entscheidet ein Würfelwurf, ob tatsächlich das erste Hotelgebäude errichtet werden darf: Grün heißt ja, rot heißt nein, H lässt uns kostenlos bauen und bei der 2 zahlen wir den doppelten Preis. Um Gäste in unsere Hotels zu bekommen und Geld zu verdienen, müssen wir Eingänge auf den Spielfeldern platzieren, die zu unseren Hotels gehören. Die Eingänge dürfen wir entweder einmal pro Spielfeldumrundung kaufen oder wir bekommen sie gratis auf einigen Feldern. Dazu gibt es natürlich auch noch die obligatorische Bank, die uns immer mit etwas frischem Bargeld versorgt, wenn wir an ihr vorbeiziehen.

Schon bei der Regelbeschreibung ist klar: Hotel ist ein waschechter Monopoly-Klon mit weniger Grundstücken und hübscheren Gebäuden. Im Kern geht es aber immer noch darum, dass wir versuchen, die anderen in den Bankrott zu treiben. Das erklärt auch, warum mein kleiner Monopoly-Fan das Spiel super fand, als ich es am Tag vor Weihnachten aus dem Keller geholt habe und mit ihm eine Probepartie gespielt habe. Die Regeln hat er sofort verstanden und war direkt mit Feuereifer dabei. Und auch mein Mann hat sich gleich mit an den Tisch gesetzt, um uns strategische Tipps zu geben – schließlich hat er Hotel früher rauf und runter gespielt: Kauft den Boomerang auf jeden Fall, Finger weg vom Taj Mahal!

Am Abend wollte unser Junior das Spiel direkt nochmal spielen – die erste Partie hatte er nämlich deutlich gewonnen. Und so gab es direkt die nächste Runde Hotel, diesmal in voller Besetzung. Die Regeln sind nämlich so einfach, dass unsere achtjährige Tochter ebenfalls direkt einsteigen konnte. Allerdings stellten wir schnell fest, dass das Spiel zu viert eine ziemliche Dynamik entwickelt und die Grundstücke am Anfang unglaublich oft den Besitz wechseln. Das Hin und Her am Spieltisch sorgte immer wieder für lautes Gelächter und Schadenfreude, bis tatsächlich die ersten Hotels standen.

Die Kinder sorgten dabei für ein frisches, chaotisches Element, was dem Spiel sehr gut getan hat. Sie kauften nämlich nicht wie wir Erwachsenen, sondern entweder das, was gerade verfügbar war oder die Hotels, die die hübschesten Gebäude hatten – ein Verhalten, was meinen Mann schier zur Verzweiflung trieb. Auch am ersten Feiertag gab es abends wieder eine lange Runde Hotel, bei der wir fast den ganzen Plan bebauten und unsere Tochter mit unverschämtem Würfelglück und einem voll ausgebauten Royal-Hotel deutlich gewann.

An beiden Abenden hatten wir unglaublich viel Spaß, haben sehr viel gelacht und hatten einfach eine richtig gute Zeit. Ich muss sagen, das hätte ich von Hotel nicht erwartet und habe mich sehr darüber gefreut. Auch wenn das Spiel von 1974 ist und bei BoardGameGeek eine traurige 5.6-Bewertung hat, hat es an diesem Weihnachten doch alle modernen Spiele in den Schatten gestellt und uns sehr gut unterhalten. Jetzt bin ich sehr gespannt, wie sich Hero Quest mit der ganzen Familie heute noch spielt und freue mich schon auf die nächsten Feiertage, an denen wir diesen Oldie mit der Familie ausgiebig testen können.

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