Bereits seit mehreren Jahren verfolge ich mehr oder weniger aufmerksam diese Reihe von Helvetiq. Beim durchstöbern der SPIEL-Preview 2022 bin ich auf „Just Wild“ gestoßen und hatte es auch auf der Messe direkt mitgenommen. Sehr positiv überrascht, wie viel Spiel hierin steckt, konnte ich in der Zwischenzeit einige andere Leute von dem Spiel überzeugen. Als ein Jahr später der nächste Titel erschien, wurde auch der angeschafft und diese Tradition setzt sich seitdem fort. Jedes Jahr geht es zu Helvetiq an den Stand und das neueste Spiel der Reihe wird besorgt. Aber was macht die Reihe aus, dass ich sie mehr oder weniger blind anschaffe?
Der Hintergrund
Helvetiq selbst bezeichnet diese Reihe als „eco-friendly collection“ und möchte hierbei die Spiele so umweltfreundlich wie möglich produzieren. Dieses alleine stellt heutzutage zwar kein Alleinstellungsmerkmal dar, ist aber auch alles andere als Standard. Doch wie wird das Vorhaben umgesetzt? Ganz wesentlich trägt hierzu der Produzent „Fabryka Kart“ aus Polen mit seiner „eco-factory“ bei. Dieser produziert seinen Strom mittels Photovoltaik selbst, nutzt Regenwasser für Sanitäre Einrichtungen und achtet bei der Produktion stark auf Nachhaltigkeit durch FSC-zertifiertes Holz. Weiter sind Farbe, Lacke, Folien und Kleber biologisch abbaubar. Auf Folien selbst verzichtet Helvetiq von sich aus.
Das Besondere
Für mich machen die Spiele die Themen aus. Mal geht es um bedrohte Tierarten in den Alpen (Just Wild), dann um Bienen und Honig (Happy Bee) oder um den einzigen Nationalpark der Schweiz (Alpina). Im neuesten Spiel Bugs Buddy sollen wir Insekten beschützen. Leider fehlen hier zum ersten Mal die Hintergrundinformationen, die bisher diese Reihe auszeichneten. Am Ende der Regeln waren immer 1-3 Seiten Informationen zum Thema des Spiels aufgeführt, was ich sehr interessant finde. Das hier aus Produktionskosten drauf verzichtet wurde ist verständlich, dennoch finde ich es schade. Für mich machte dieses einen wesentlichen Teil der Reihe aus. Diese Verknüpfung aus nachhaltiger Produktion, Naturthemen und Hintergrundinfomationen passen meiner Meinung nach einfach super zueinander.
Bei zukünftigen Spielen sollen die Hintergrundinformationen zurückkehren. Ich bin gespannt.
Kleine Anekdote: Die ersten Titel wurden mit einem Logo der Reihe versehen. Seit Alpina fehlt dieses, da es wohl überwiegend für Verwirrung gesorgt hatte. Ich selbst dachte zunächst, die Reihe würde nicht fortgesetzt werden, da es fehlt.
Die Spiele
Just Wild
Autor: Marco Franchin, Leo Colovini
Illustration: Salomé Gautier
Erscheinungsjahr: 2021
Spieleranzahl: 2-4
Spieldauer: 20 Minuten
Altersempfehlung: ab 8 Jahren
Mechaniken: Karten ablegen
Komplexität: gering
Runtergebrochen legen wir in unserem Zug eine unserer Karten ab und ziehen anschließend nach. Hierbei überdecken wir jedoch die Karten der anderen, da wir unser Gebiet vergrößern möchten. Man könnte also sagen, wir möchten unseren Lebensraum vergrößern. Der Clou dabei ist, dass jede rechteckige Karte in der Mitte geteilt ist, wodurch zwei Quadrate entstehen.
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Jede Karte müssen wir nun so ablegen, dass der Wert auf der gelegten Karte die Summe der überdeckten ergibt. Komme ich auf über 10, muss ich eine Handkarte verdeckt an das Raster ablegen. Mittels Chips kann ich Felder von mir sichern, so dass sie nicht überdeckt werden können. Habe ich meine letzte Karte gespielt, werden meine Quadrate gezählt und die anderen können weiter spielen. Für jeden endet somit das Spiel zu einem anderen Zeitpunkt und nach meinem Ende ist es nicht schlimm, wenn meine Felder überdeckt werden.
Das abschätzen, wann ich meine Felder sichere und hoffen, dass der Ideale Platz für meine Karte verfügbar bleibt bringt eine Spannung, die das ganze Spiel über anhält. Verkraften muss man jedoch auch, dass vielfach die Karten überdeckt werden, die gerade am meisten offen ausliegen. Hier sind sich i.d.R. alle am Tisch unausgesprochen zu einig. Aber es dauert nicht lange, dann trifft es wen anderes.
Alpina
Autor: Luc Rémond
Illustration: Crocotame
Erscheinungsjahr: 2024
Spieleranzahl: 2-4
Spieldauer: 20 Minuten
Altersempfehlung: ab 10 Jahren
Mechaniken: Karten ablegen, individuelle Endwertung
Komplexität: gering
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Auch hier legen wir wieder Karten aus. Diese sind jedoch quadratisch und repräsentieren eins von drei Tieren vor einem von drei Hintergründen. Jede Karte hat zudem eine Wertungsart. Zu Beginn liegt eine Karte aus und wir legen reihum eine hinzu, bis wir ein 5×5 Raster vor uns liegen haben. Habe ich die Karte gelegt, darf ich entscheiden, ob ich eine Figur auf sie oder eine benachbarte unbesetzte Karte legen darf. Hierdurch sichere ich mir die Wertung bei Spielende. Durch die hohe Varianz der Wertungsarten spielen sich die Partien stets unterschiedlich und die Wahl der zu legenden Karte wird durch die gewählten Wertungsbedingungen der anderen beeinflusst. Möchte ich ihnen eine Vogelkarte hinlegen, damit sie Punkte erhalten? Unterbreche ich die Waldreihe um die Punkteausbeute der anderen endlich zu beenden? Punkte ich mehr, obwohl die andere Person auch profitiert? Viele kleine spannende Überlegungen sind hier versteckt.
Bugs Buddy
Autor: Anja Wrede, Christoph Cantzler
Illustration: Lisa Voisard
Erscheinungsjahr: 2025
Spieleranzahl: 2-4
Spieldauer: 20 Minuten
Altersempfehlung: ab 8 Jahren
Mechaniken: Plättchen legen, Mehrheiten sichern
Komplexität: sehr gering
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Das letzte Spiel das ich euch aus der Reihe vorstellen möchte ist auch das neueste. Hierbei legen wir gemeinsam max. 36 Plättchen auf, die beidseitig mit 9 Insekten bedruckt sind. Es ist jedoch nie auf beiden Seiten das gleiche vorhanden. Lege ich ein Plättchen aus, lege ich dazu einen meiner Steine aus. Ist das Insekt schon vorhanden mache ich hieraus eine Reihe, gebe den/die Steine der Person zurück, von der sie sind und lege nun so viele Steine von mir dort ab, wie Plättchen in der Reihe liegen. Das Spiel endet, wenn eine Person alle Steine abgelegt hat. Dieses muss jedoch genau aufgehen. Habe ich also 3 Steine über, hoffe ich auf ein Insekt auf meinen Plättchen, von dem gerade zwei ausliegen und ich somit zu dem Plättchen meine drei Steine legen kann.
Bugs Buddy ist bisher das zugänglichste Spiel der Reihe, ist am schnellsten gespielt und hat am wenigsten Tiefe. Dennoch bietet es Taktiken und Überlegungen, was wann gespielt wird. Da es erfahrungsgemäß deutlich unter 20 Minuten dauert, werden meist auch mehrere Partien hintereinander gespielt.
Fazit
Nicht ohne Grund habe ich einen Artikel über diese Reihe verfasst. Alle Titel sind in kleinen Schachteln und bieten dennoch einen erstaunlich großen Spielspaß. Die Einbettung mit den Naturthemen, meist ergänzt durch die Hintergrundinformationen, zusammen mit der Herangehensweise finde ich spannend. Sie haben dazu geführt, dass Helvetiq bei uns inzwischen ein fester Bestandteil unseres Messebesuchs geworden ist und wir so auch ihre andere Spiele entdeckt haben.
Transparenzhinweis: Bugs Buddy wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.
Gesamtbewertung (max. 5 Sterne):





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