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Leaders von Hugo Frénoy

In Leaders, einem Zwei-Personen-Spiel, müssen wir unser Oberhaupt beschützen und gleichzeitig versuchen, das gegnerische Oberhaupt gefangen zu nehmen. Hierbei bietet es eine hohe Variabilität zwischen den jeweiligen Partien.

Eckdaten zum Spiel

Titel: Leaders
Autor: Hugo Frénoy
Illustration: Xavier Gueniffey Durin (aka Naïade)
Verlag: Studio H (Original), Wonderbow (deutsche Version)
Erscheinungsjahr: 2025
Spieleranzahl: 2
Spieldauer: 20 Minuten
Altersempfehlung: ab 10 Jahren
Mechaniken: Drafting, Grid Movement
Komplexität: gering

Das ist ja wie Schach

Das war bisher immer die erste Reaktion von Mitspielenden und auch welchen, die beim Spieletreff kurz daneben standen. Ganz so unrecht haben sie nicht. Spielbrett mit Feldern, Figuren die sich unterschiedlich bewegen und ein Anführer, den wir gefangen nehmen wollen. Dennoch spielt es sich anders als Schach. Wir starten bspw. nur mit unserem Anführer und wählen nach unserer Aktionsphase ein weiteres Mitglied unserer kleinen schlagkräftigen Gruppe aus. Diese dürfen wir jedoch erst im nächsten Zug bewegen bzw. deren Aktion nutzen.

kurz vor Ende einer Partie

Abwechslung inklusive

Während zu Beginn drei der 16 möglichen weiteren Charaktere ausliegen, erfahren wir nach jeder Wahl, welche Figur mit ins Spiel gelangt. Diese sind übrigens hochwertige Pappaufsteller in großen Holztellern, die so wie sie sind in die Schachtel passen. Clever: der Hintergrund ist auf der einen Seite weiß, auf der anderen schwarz. Meine Charaktere stelle ich immer so auf, dass ich den schwarzen Hintergrund sehe.
Aber nicht nur die Figuren, auch die Karten und das Cover sind eine echte Augenweide und bereichern dieses Spiel. Alles ist mit glänzendem Details versehen und werten das Material ordentlich auf.
Aber zurück zu den Charakteren. Diese teilen sich in acht Charaktere auf, die statt einem Schritt zu laufen ihre aktive Fähigkeit nutzen dürfen, zwei bringen für sich selbst eine passive Fähigkeit mit und die letzten sechs haben passive Fähigkeiten, die andere betreffen. Hierdurch kommt in jeder Partie eine unglaubliche Varianz in das Spiel. Nicht nur, dass sich jede Figur anders spielt, auch durch die Kombinationen entsteht ein ganz anderer Spielablauf. Mit etwas Erfahrung im Spiel, stellt man schöne Kombinationen von passenden Charakteren fest und hofft, dass man diese erhält. Genauso bangt man, wenn man die Kombination gegenüber erkennt und sieht, was gerade in der Auslage verfügbar ist. Hierdurch entsteht ein Spannungsbogen, der auch nicht abnimmt, wenn man seinen insgesamt fünften Charakter gewählt hat.

Die meisten Partien dauerten bei mir nämlich merklich länger als das Draften. Sind erst einmal alle Figuren auf dem Brett, geht das Belauern und Jagen erst richtig los. Wichtig noch zu wissen: es werden keine Figuren vom Feld entfernt. Zum Sieg müssen entweder zwei meiner Figuren neben dem gegnerischen Oberhaupt stehen oder dieses sich nicht mehr bewegen können. Ja, dass ist möglich. Schafft man es, sein Gegenüber stark zu bedrängen, wird aus dem Beschützen schnell eine Blockade durch sich selbst, die nicht überwunden werden kann. Hier heißt es also immer genau aufpassen.

Gleichzeitig kann ein sicher geglaubter Sieg einem ganz schnell durch die Finger gleiten, weil man doch die eine Lücke oder Fähigkeit eines Charakters übersehen bzw. vergessen hat. Zumindest bei mir bedeutet das dann oft, dass es für mich sehr eng wird. Wittere ich meine Chance, leidet meist der Schutz meines Oberhauptes hierunter. Hier ist es schön, passende Charaktere zu haben wie den Einsiedler & Bär oder die Leibgarde. Erstere sind zwei Figuren, die jedoch als ein Charakter gelten und diese eine zusätzliche Figur ist deutlich spürbar. Letztere dagegen darf sich jederzeit neben mein Oberhaupt bewegen und sich dann zusätzlich noch einen Schritt bewegen. Also selbst wenn ich sie offensiv nutze, ist sie ganz schnell zum Schutz wieder beim Oberhaupt. Offensiv mag ich bspw. den Reiterling, der sich in gerader Linie zwei statt einem Feld bewegen kann oder die Bogenschützin. Sie hilft bei der Gefangenname von zwei Feldern entfernt. Hier muss die Blockade schon clever gestaltet sein.

alle Figuren lassen sich in einer Schublade verstauen

Und der Haken an der Sache?

Kennen beide Personen die Charaktere und ihr zusammenwirken gut, bietet der Expertenmodus mehr Möglichkeiten sich sein Wunschteam zusammen zu setzen. Von Beginn an liegen alle Charaktere aus, es werden jedoch vor dem Spiel von jeder Person ein Charakter verbannt und nach der Auswahl von je dem dritten Charakter erneut. Uns hat dieser Modus nicht so richtig angesprochen. Bietet er zwar die Möglichkeit des perfekten Teams, ist aber genau das der Grund, der uns davon abhält. Das Ungewisse und immer wieder aufs neue versuchen das Beste aus dem Gegebenen zu holen gefällt uns hier besser.

Während ich das nicht als negativ ansehe, da wir schließlich selbst die Spielart wählen können, sind ein paar andere Kleinigkeiten dabei, die uns eher stören.
So ist die Schriftart der Charakternamen auf den Karten, nennen wir es, interessant. Von weiter weg haben bisher alle Personen Probleme gehabt, die Namen zu entziffern. Dieses ist besonders schade, da so immer zu Karte gegriffen wird und nicht die persönliche Übersichtskarte ausreicht. Denn auch die kleinen Bilder auf diesen helfen in den ersten Partien nicht unbedingt zur Identifikation.
Des weiteren ist ein deutlicher Unterschied zwischen Neulingen und „Alten Hasen“ zu spüren. Auch wenn eine Partie in solch einer Konstellation oftmals keine 10 Minuten dauert, ist es für keinen von beiden eine wirkliche Freude. Ich hatte das Glück, dass die Neulinge meist dennoch so angetan waren, dass mind. eine weitere Partie folgte und bereits ab der zweiten merklich besser gespielt wurde. Immer wird dieses aber wohl kaum der Fall sein.

hübsche Karten, schlechte Schriftart

Fazit:

Mit Leaders könnt ihr euch ein schnell gespieltes, taktisches und hoch variables Zwei-Personen-Spiel zulegen. Durch die schlanken Regeln ist der Einstieg sehr leicht und klappt auch wunderbar mit Wenigspielenden. Das gute Material mit der cleveren Schachtelgestaltung sorgen zudem für einen schnellen Start. Jede Partie selbst entscheidet sich oft sehr knapp und zudem sehr plötzlich. Der Sieg einer der beiden Personen wird oftmals nur einen Zug vor Ende endgültig klar.

✔ Stärken:
✅ hohe Variabilität
✅ schneller Einstieg
✅ steile Lernkurve
✅ schnelle hin und her, für wen es besser läuft

❌ Schwächen:
⛔ Schriftart der Charaktere
⛔ hohe Diskrepanz zwischen Neuling und Erfahrenen

Gesamtbewertung (max. 5 Sterne):

Transparenzhinweis: Das von mir genutzte Exemplar ist eine Spende von Wonderbow Games an den von mir betreuten öffentlichen Spieletreff in Sunderns Wohnzimmer

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