Halma auf Speed
In Comet versuchen zwei bis vier Spielende diverse bedrohte Tierarten in einen sicheren
Unterschlupf zu befördern, um diese vor den Folgen eines drohenden Kometeneinschlags zu
bewahren. Das Spiel ist dabei in einer nicht näher bestimmten fernen Vergangenheit angesiedelt, so dass wir Tiere wie Dodos, Mammuts und Säbelzahntiger retten möchten.
Eckdaten zum Spiel
Titel: Comet
Autor: Peter Prinz
Illustration: Hendrik Noak
Verlag: funtails (deutsches Original)
Erscheinungsjahr: 2023
Spieleranzahl: 2-4
Spieldauer: 45-75 Minuten
Altersempfehlung: ab 12 Jahren
Mechaniken: Grid Movement, Multi-Use Cards
Komplexität: gering

Was erwartet euch?
Jeder Spieler erhält eine einzigartige Heldenkarte (mit Sonderfähigkeit und Wertungsbonus), ein Retter-Tableau in seiner Farbe, drei Retter-Spielsteine und fünf silberne Karten auf die Hand. Es gibt einen silbernen und einen goldenen Kartenstapel (mit Tier- und Hilfskarten) sowie eine offene Auslage mit vier goldenen Karten, wobei – ihr ahnt es – die goldenen Karten stärker als die silbernen sind. Folglich sind diese aber auch schwieriger zu erhalten. Gespielt wird auf einer Seite des doppelseitigen Spielbretts, die jeweils ein Wegenetz von den Nistplätzen zum sicheren Unterschlupf zeigt.

Wer an der Reihe ist, wählt genau eine von drei Aktionen:
Schlüpfen: Eine Tierkarte ausspielen, um ein Tier auf dem Tableau schlüpfen zu lassen.
Bewegen: Einen eigenen Retter-Spielstein auf dem Spielbrett bewegen, um Tiere zu retten. Hierzu wird ebenfalls eine Tierkarte ausgespielt.
Rasten: Handkarten wieder auf das Handkartenlimit auffüllen und erschöpfte Karten bereit machen (nur außerhalb der Kometenphase möglich).
Nach dem Ausspielen von Karten wird die offene Auslage ggf. wieder auf vier Karten aufgefüllt.
Die Züge sind schnell abgehandelt und die Interaktion auf dem Spielbrett hoch. Dies resultiert
insbesondere aus dem Halmaprinzip, das es den Spielenden erlaubt, besetzte Felder überspringen zu dürfen, ohne diesen Schritt zu „bezahlen“.
Wird die letzte silberne Karte gezogen, beginnt die Kometenphase und das Spielende wird
eingeleitet. Nur der Spielende, der die Phase ausgelöst hat, darf vollständig rasten. Alle anderen dürfen wählen: Entweder Handkartenlimit auffüllen oder erschöpfte Karten bereit machen. Ab jetzt gibt es nur noch die Aktionen Schlüpfen und Bewegen – Rasten ist nicht mehr möglich. Es wird weitergespielt, bis niemand mehr eine Aktion ausführen kann oder möchte.
In der dann folgenden Schlusswertung werden die erspielten Punkte errechnet, die sich aus den Punkten der geretteten Tiere, aus Set-Collection und individuellen Fähigkeiten der Heldenkarten ergeben.
Die Entdeckung des Kometen
Als das Spiel 2023 erschien, habe ich mich eigentlich nicht dafür interessiert, da mich der Pitch
einfach nicht begeistert hat und ich auch nicht unbedingt von Grid Movement als Mechanismus begeistert bin. Auch die Grafiken der Karten haben mich zunächst nicht sonderlich angesprochen, da sie alle recht dunkel und ziemlich K.I.-generiert aussehen. Erstmals neugierig wurde ich dann durch das spielen von Faultier (2F-Spiele), da ich hier gemerkt hatte, dass Grid Movement durchaus auch interessant sein kann. Als ich dann mehr oder weniger zufällig auf der „Spiel Doch! 2025“ am Stand von Funtails eine Partie zu dritt spielen konnte, war ich ziemlich positiv überrascht und habe das Spiel anschließend auch eingesteckt.

Was hat mich überzeugt?
Gefallen hat mir insbesondere der Rennspielcharakter des Spiel und die ständige Entscheidung, ob ich nun kurze, schnelle Routen für wenig Punkte oder doch die aufwändige Route für viele Punkte wählen soll. Dabei ist diese Entscheidung immer auch an die Platzierung der gegnerischen Spielsteine gebunden, da das Überspringen besetzter Felder und damit das Ausnutzen der Platzierung aller Spielsteine elementar für ein erfolgreiches Spiel ist. Wer nur auf sich achtet, hat kaum eine Chance auf den Sieg.
Gut gefallen hat mir auch, dass die Karten geretteter Tiere meine Fähigkeiten verbessern, so dass hier auch ein kleiner und einfacher Engine Builder-Aspekt eingebaut ist. Ebenfalls gut gefallen hat mir die zum Spiel passende Spielzeit und die angenehm geringe Größe des Spielbretts.

Was hat mich nicht begeistert?
Auch wenn ich mich dann doch recht schnell an die Optik der Karten gewöhnt habe, muss ich für mich feststellen, dass ich mir hier eine etwas hellere und natürlichere Gestaltung gewünscht hätte, zumal ich als Zielgruppe halt auch Familien sehe und diese vielleicht etwas abgeschreckt werden könnten. Aufgrund des Themas ergibt eine etwas dunklere Farbpalette natürlich irgendwie Sinn.
Wer zur Darstellung der Tiere einen Eindruck bekommen möchte, kann diesen tatsächlich gut
durch einen Blick auf das Cover bekommen. Entscheidet selbst, ob euch das anspricht. Allerdings möchte ich nicht unterschlagen, dass jede Karte eine einzigartige Gestaltung aufweist, was mir gut gefällt.
Was mich spielerisch tatsächlich stört, ist die Tatsache, dass die Heldenkarten definitiv keine gute Balance haben. Hier gibt es eindeutig Karten, die anderen deutlich über- oder unterlegen sind. Wenn man das weiß, sollte man da Hausregeln anwenden, um Fairness herzustellen.

First Contact geglückt?
Nach meinen ersten vier Partien habe ich definitiv Lust noch zu weiteren Rettungsmissionen
aufzubrechen und Leben zu retten. Wer ein flottes, modernes Grid Movement-Spiel mit einer
spannend integrierten Halmamechanik kennenlernen möchte, sollte hier mal einen Blick riskieren. Die Beantwortung nach der Frage der Zielgruppe fällt mir ein wenig schwer. Am ehesten scheint es mir dort verordnet zu sein, wo sich die Spiele des Kennerspiel des Jahres wiederfinden. Mit einem minimal schlankerem Regelwerk (etwa durch das weglassen der goldenen Karten) würde es sich hier aber um ein Familienspiel handeln, was vielleicht die bessere Zielgruppe gewesen wäre. So schwebt der Komet etwas zwischen den Welten.
Wichtig für ein gutes bzw. vollwertiges Spielerlebnis ist auch die Spielendenanzahl. Versucht
unbedingt mindestens zu dritt, idealerweise zu viert, zu spielen, da ihr zu zweit zu viel vom
besonderen Charme des Spiels verpasst. Dieser liegt nämlich genau in der äußerst hohen und
spannenden Interaktion der Spielenden und dem damit verbundenen Halmamechanismus.
Ich kann das euch das Spiel durchaus empfehlen, würde euch aber nahelegen, es vor dem Kauf
einmal mitzuspielen, um zu schauen, ob es euch sowohl spielerisch als auch optisch anspricht,
wobei ich den Preis von unter 40 € sehr fair finde. Sucht ihr ein Spiel, welches ihr überwiegend zu zweit spielen wollt, sucht lieber weiter.

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