André vs. Gloomhaven – Kapitel 2

Nach der Verzweiflung folgt die Erkenntnis?

Da sind wir nun, die Kampagne startet und zum Start darf ich mein Spiel personalisieren. Profis können sich bereits zu Beginn der Kampagne die Schwierigkeit und diverse Parameter so anpassen, dass die Kampagne für sie die richtige Herausforderung darstellt. Da ich keine Ahnung davon habe, belasse ich alles bei der empfohlenen Einstellung. Dies ist, soweit ich es verstanden habe, eine optimierte Einstellung und weicht leicht vom Brettspiel ab. Beispielsweise können bei dieser Einstellung Verbesserungen verkauft werden. Die restlichen Änderungen zum Brettspiel sind für mich aktuell noch böhmische Dörfer. Die Schwierigkeit des Spiels stelle ich wie immer auf „Normal“. Spoiler: Diese Info wird noch wichtig. 😉

Alles klar, los geht’s……oder auch nicht.

Jetzt muss ich mir erst noch meine Gruppe erstellen. Erneut sitze ich hier und denke mir: Warum muss man dieses Spiel so maximal einsteigerunfreundlich gestalten? Ja klar, für den Hardcore-Fan ist es natürlich wichtig sich am Anfang seine Gruppe zusammenzustellen, aber warum gibt es keinen „Quickstart“? Als würde ich mir als vollkommender Anfänger eine Gruppe aus Helden zusammenstellen die als „Schwer“ gekennzeichnet sind. Ich spiele zwar gerne Soulsborne Spiele und auch Bloodborne als Brettspielversion macht mir Spaß, aber ganz verrückt bin ich doch auch nicht. 😉 All das Gemecker nützt ja nichts. Wie mir der gute Max und auch das Spiel geraten haben, starte ich mit dem Barbaren. Nennen wir ihn Haudrauf. Neben dem Tank brauche ich jetzt noch einen Damagedealer in meiner Gilde. Das Spiel schlägt mir hier die Schurkin vor. Nennen wir sie doch Stabby McStabface. Die Gilde Klappspaten ist gegründet und bereit die Welt von Gloomhaven unsicher zu machen.

Auf geht’s. Nach ein paar Textboxen, die die nötigsten storyrelevanten Dinge und das Interface erklären, werde ich schon mit der ersten Stadtbegegnung konfrontiert. Stadtbegegnungen sind zufällige Ereignisse, bei denen ich eine Entscheidung treffen muss. Diese Entscheidung wirkt sich dann auf das weitere Spiel aus. Ein vermeintlicher Dieb soll gehängt werden. Jetzt muss ich entscheiden, wie ich handle. Helfe ich ihm, oder schließe ich mich dem Mob an. Ich entscheide mich dafür zu helfen und hoffe, dass ich jetzt der Held bin. Dem war leider nicht so. Den Bürgern hat das nicht gefallen und mein Ruf ist im Eimer. Geht ja gut los…

Sei’s drum und auf zur ersten Quest im Schwarzgrab. Die Reise geht los.

Meine erste Aufgabe ist es 3 Räume voller Gegner zu säubern. Wie wir im Tutorial gelernt haben, muss ich hierbei mit meinen Karten haushalten. Mein Deck schrumpft mit der Zeit immer weiter und wenn am Ende der Karten noch Gegner übrig sind, habe ich die Quest nicht geschafft. Raum 1 und Raum 2 stellen kein großes Problem da, jedoch warten in Raum 3 nun 5 Gegner auf mich und mein Kartenpool ist schon stark limitiert. Versuch 1 war wohl nichts. Im nächsten Anlauf bin ich dann etwas aggressiver und versuche die Gegner schneller zu beseitigen. Wieder nichts. Durch die Aggressivität wurde ich unvorsichtig und bin gestorben. Okay, nächster Versuch. Tot. Nächster Versuch. Tot. Ich schaffe es einfach nicht im letzten Raum noch genügend Karten übrig zu haben, um gegen die Gegner zu bestehen.

An diesem Punkt erreicht meine Verzweiflung den Höhepunkt. Ich frage mich echt, ob es an mir liegt. Bin ich einfach zu doof für das Spiel? Bin ich vielleicht zu unerfahren, wenn es um Dungeoncrawler geht? Es kann doch nicht sein, dass ich das Spiel jetzt wieder abbreche, ohne die erste Quest zu schaffen. Aber Moment, ich habe das Spiel auf dem Schwierigkeitsgrad „Normal“ gestartet. Da waren doch noch 2 Schwierigkeitsstufen drunter. Wem habe ich etwas zu beweisen? Versuche ich es einfach einen Schwierigkeitsgrad leichter.

Auf geht’s in das Schwarzgrab. Nun sollten die Gegner etwas leichter zu besiegen sein. Gewohnt aggressiv, aber auf meine Lebenspunkte bedacht, presche ich auf die Gegner los. Die letzte gegnerische Einheit ist tot. Ich habe die Quest geschafft. Ganz ehrlich, das war mir aber jetzt schon zu einfach. Genau wie die erste Quest laufen nun auch die weiteren 4-5 Quests. Auf dem leichteren Schwierigkeitsgrad sind alle Gegner gut zu schaffen, aber richtiger Spielspaß stellt sich bei mir nicht ein. Also lege ich das Spiel beiseite und lasse ein paar Tage Graß drüber wachsen. Genau in dieser Zeit schickt mir Dominik einen Kommentar zu meinem letzten Artikel.

Ein Leser auf dem Discord vom Einzelspiel-Podcast schrieb, dass „Black Barrow“, also das Szenario was ich am Anfang spiele, ein sehr schweres Szenario ist und gibt mir recht, dass das Spiel nicht gerade einsteigerfreundlich gestaltet ist. Dann liegt es wohl doch nicht nur an mir. Mir fehlt einfach die Erfahrung für dieses Szenario, aber auf „Einfach“ und ohne großen Spielspaß möchte ich da jetzt auch nicht wirklich weiterspielen.

Komme ich also an dieser Stelle zu einem Fazit meines Kampfes mit Gloomhaven.

Ich habe das Spiel von meinem Pile of Shame genommen und mich endlich länger damit beschäftigt. Das würde ich an dieser Stelle schon als Erfolg werten, denn während dieser Spielstunden und auch den vielen Misserfolgen habe ich festgestellt, dass die digitale Version von Gloomhaven nicht mein Fall ist.

In den 3 Blogposts, die ich zu dieser Heldenreise gemacht habe, wird immer wieder deutlich, dass mir das Spiel eine zu hohe Einstiegshürde bietet. Sicherlich kann man hiermit viel Spaß haben, wenn man sich richtig in die Materie einarbeitet. Dafür habe ich jedoch aktuell leider weder die Geduld noch die Zeit. Ich muss aber trotzdem anerkennen, dass ich trotz der Misserfolge und meinen kläglichen Startversuchen in der Vergangenheit, nie den Reiz an Gloomhaven verloren habe. Auch nach den wenigen Spielstunden kann ich gut verstehen, wie sehr man sich für dieses Spiel begeistern kann. Zum aktuellen Zeitpunkt ist das Spiel jedoch nicht das Richtige für mich. Gerade bei Videospielen möchte ich lieber durch eine, wenn auch schwere, Story geführt werden und mich nicht darauf fixieren das Kartendeck meiner Gilde zu perfektionieren.

Vielleicht sattele ich das Pferd auch gerade von hinten auf und der richtige Weg wäre es, erst einmal das Brettspiel in einer festen Runde zu spielen und dann, wenn man alles verinnerlicht hat, die digitale Variante als Ergänzung zu nehmen. Vielleicht ist das Spiel auch eher etwas für mehrere Spiele und nicht den Eigenbrötler vor dem Bildschirm.

Ich denke das ist doch ein versöhnliches Ende für meinen Kampf mit Gloomhaven. Ich habe mich den Dingen gestellt, welche mich damals abgeschreckt haben, habe mich mit dem Spiel befasst und festgestellt, dass es schlichtweg nichts für mich ist. Aus diesem Grund schließe ich für mich mit dem Thema Gloomhaven ab.

Falls jemand so verrückt ist und Gloomhaven zu einem Brettspielwochenende mitbringt, würde ich aber gerne die ein oder andere Partie mitspielen.

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