Städtebau im Familienbetrieb
Cities ist eins dieser Spiele, von denen ich nichts erwartet habe und deshalb sehr positiv überrascht wurde. Aber wurde ich nur wegen der geringen Erwartungshaltung überrascht oder ist Cities auch sonst einfach ein gutes Spiel?
Eckdaten zum Spiel
Titel: Cities
Autor: Steve Finn, Phil Walker Harding
Illustration: Jorge Tabanera Redondo
Verlag: Devir (Original), Kosmos (deutsche Version)
Erscheinungsjahr: 2025 (deutsche Version)
Spieleranzahl: 2–4
Spieldauer: 30-45 Minuten
Altersempfehlung: ab 10 Jahren
Mechaniken: Plättchenlegen, Worker Placement, Set Collection
Komplexität: gering

Was erwartet euch?
Im wesentlichen spielen wir ein übersichtliches Legespiel auf zwei Ebenen und nutzen zur Auswahl der zu legenden Elemente einen sehr simplen Worker Placement Mechanismus, der aber nicht trivial daherkommt. Am Ende, nach acht gespielten Runden, wird jeder seine kleine Stadt aus einem Raster von 3×3 Stadtfeldern gebaut haben. Dort finden wir neben Park- und Wasserflächen Baugründe in vier unterschiedlichen Farben. Diese Flächen können wir mit Gebäuden und passenden Plättchen bebauen. Das alles kombinieren wir je nach gewähltem
Stadtentwicklungsplan und erspielten Auftragskarten so, dass wir am Ende die meisten Punkte
haben.
In vier Zeilen liegen jeweils vier Elemente einer Art zur Auswahl. In jeder der acht Runden platziere ich jeweils genau einen meiner Worker in jede Zeile. In Zeile 1 erhalte ich Auftragskarten, in Zeile 2 die Stadtfelder, in Zeile 3 die auf den Stadtfeldern zu platzierenden Plättchen und in Zeile 4 schließlich die Gebäudeteile, welche ich auf die Bauplätze oder bereits liegende Gebäude der selben Farbe positioniere.
Im Spiel zu zweit spielen wir nur vier Runden, setzen dafür jeweils zwei Worker pro Zeile ein.

Alter Hut…
Natürlich erwartet uns hier nicht die größte Innovation der Spielgeschichte. So ziemlich genau
nichts an dem Spiel ist neu oder besonders spektakulär umgesetzt. Eingesetzte Worker geben den Ertrag des Einsatzfeldes und blockieren dieses, platzierte Elemente geben je nach Platzierungsort und Stadtplan Siegpunkte und am Ende entscheiden eben diese über Sieg und Niederlage. Also wahrlich nichts Atemberaubendes.

…oder einfach eine runde Sache?
Aber muss es immer was neues sein? Ist es nicht manchmal auch schön, einfach an den Tisch zu gehen und bereits bei der ersten Partie ein Gefühl von absoluter Sicherheit zu haben? Sowohl hinsichtlich der Regeln als auch dem Auswählen und Durchführen der Aktionen besteht beim geneigten Kenner- oder Vielspielenden sofort eine Art Selbstverständnis. Für Wenigspielende stellt sich dieses Gefühl nach wenigen Zügen in ähnlicher Weise ebenfalls ein, so dass sich diese nie wirklich abgehängt fühlen. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass die Punkte erst am Ende des Spiels über die Kramerleiste abgetragen werden. Auch die Vorgabe, dass die Spielenden immer nur eine Aktion jeder Art in einer Runde durchführen dürfen, sorgt auch bei unerfahrenen Spielenden für das Gefühl eines Spiels auf Augenhöhe.
Also alles gut?
Natürlich gibt es auch ein paar Schwächen, derer man sich bewusst sein sollte. Die vierseitige
Anleitung ist aufgrund der sehr einfachen Regeln natürlich keine große Hürde, allerdings hätte sie durchaus besser aufgebaut sein können. Auf mich wirkte sie in etwa so wie die Anleitungen der 90er-Jahre Spiele von Parker. So wird der Spielablauf in einem langen Blocksatz beschrieben. Die vier Einsatzmöglichkeiten werden ernsthaft in einem Satz mit drei „oder“ vorgestellt. Das ist keine übersichtliche und einstiegsfreundliche Struktur. Für Vielspielende ist diese Hürde ziemlich egal, da man im Kopf alle Schritte sofort abhakt und als bekannt einsortiert, für andere Personen sehe ich das kritischer. Worker Placement ist für viele eben kein Selbstverständnis.
Auch die Regel für die Wasser- und Parkgebiete wie sie auf den beiliegenden Spielhilfen
beschrieben ist, hat bei allen Mitspielenden, unabhängig vom Erfahrungsgrad, zu Fragen geführt. Ein weiterer kleiner Schwachpunkt ist für mich die fehlende Abwechslung der Aufgaben auf den Auftragskarten. Ich verstehe, warum sie so gleichförmig sind, aber vielleicht hätte man ein zweites Deck für Fortgeschrittene beilegen können.

First Contact geglückt?
Nach nun drei Spielen in allen drei möglichen Spielendenanzahlen bin ich ziemlich begeistert vom kleinen Städtebauspiel. Einfacher Zugang für jede Person, minimale Downtime und ein absolut konstruktives Spielgefühl machen Cities für mich zu einem echten Siegkandidaten bei der Wahl zum Spiel des Jahres 2025. Auch wenn sich den Titel wohl Bomb Busters sichern dürfte, würde ich mich über eine Nominierung von Cities sehr freuen. Und auch wenn ich Bomb Busters für das etwas stärkere Spiel halte, so finde ich, dass Cities der leicht bessere Preisträger wäre. Ein rundum gelungenes Familienspiel, dass in allen Personenanzahlen gut funktioniert und neugierig auf mehr macht. Cities wird bis auf weiteres in meiner Sammlung bleiben, da es vieles in mir triggert, dass mir Freude bereitet.
Von mir gibt es an dieser Stelle eine absolute Empfehlung den Kontakt zu diesem Spiel
aufzunehmen.

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